Ciclovia Adriatica: die große Reise von Triest nach Santa Maria di Leuca
7 Regionen, 1700 km mit dem Fahrrad, 1 Meer immer an deiner Seite
Die große Reise
Die Ciclovia Adriatica ist nicht nur ein Radreise-Itinerar: Sie ist eine langsame Reise entlang von mehr als 1700 km italienischer Küste, ein Faden, der sieben Regionen verbindet und Geschichten von Meer, Dörfern, Düften und Stille erzählt. Konzipiert von Bicitalia (Route BI6), folgt dieses lange Abenteuer Radwegen und Nebenstraßen und bevorzugt dabei authentische Landschaften und Strecken, die zum Entschleunigen einladen. Auf dieser Website teilen wir Routen und Neuigkeiten und schlagen sicherere oder malerischere Alternativen zur offiziellen Strecke vor.
Via del Carso: Triest und die östliche Grenze
Alles beginnt in Trieste (CA 10 - Via del Carso), einer Stadt des Windes, historischer Kaffeehäuser und Grenzen. Sie zu erreichen ist einfach; sie zu verlassen, etwas weniger. Kaum im Sattel, durchquert man die Hafenstadt auf Radwegen und folgt dem Giordano-Cottur-Radweg, einem grünen Band, das sanft bis zur Grenze mit Slowenien ansteigt. Der FVG2 folgend erreicht man Trebiciano — doch hier empfehlen wir eine kleine Portion Abenteuerlust: einen Abstecher ins slowenische Gebiet. Die Straßen werden ruhiger, die Wälder dichter, und wenn man bei Monfalcone nach Italien zurückkehrt, tut man es mit dem Gefühl, bereits einen ersten, kostbaren Sprung abseits der Route gemacht zu haben. Von hier begleitet der FVG2 den Radreisenden bis nach Lignano Sabbiadoro, vorbei an stillen Feldern und Dämmen, die sich neben den Flüssen entlangziehen.
Via della Laguna und der Inseln: Küstendörfer und der große Fluss
Hinter dem Tagliamento verändert die Adria ihr Gesicht: Wir sind im Veneto. Flache Straßen führen nach Caorle, vorbei an Kanälen, Fischteichen und Glockentürmen, die sich im Wasser spiegeln. Alternativ kann man über Bibione fahren, eine Fähre nehmen und die Lagune wie ein kleiner Entdecker durchqueren, zwischen den Fischerhütten der Laguna di Caorle. Von Caorle erreicht man Jesolo, fast durchgehend auf geschützten Radwegen — und hier teilt sich die Reise: Auf der einen Seite die Inseln Lido und Pellestrina (CA 21 - Via delle Isole), mit drei Fähren erreichbar und voller Zauber, wo Wasser und Geschichte ineinandergreifen; auf der anderen Seite das ruhigere Festland, das über Mestre nach Chioggia führt, entlang von Kanälen, Dämmen und dem langsamen Herzschlag der Lagune (CA 20 - Via della Laguna). Im Po-Delta öffnet sich die Landschaft: große Stille, weite Wasserflächen, Flamingoschwärme über den venezianischen Tälern.
Via della Riviera: zwischen Tälern, Pinienwäldern und Küstenstädten
Das letzte Stück des Po-Deltas trifft auf den Bosco Mesola: Man betritt die Emilia-Romagna (CA 30 - Via della Riviera) und die Reise gewinnt einen sanften Rhythmus aus Pinienwäldern, Harzduft und Wasserlandschaften. Die Valli di Comacchio überraschen immer wieder: Auf dem Argine degli Angeli zu radeln, umgeben von Wasser, vermittelt das Gefühl zu schweben. Ravenna empfängt einen mit seiner jahrtausendealten Geschichte, erreichbar über Land oder mit der Fähre von Porto Corsini. Dann geht es wieder Richtung Süden entlang einer Küstenlinie, die wie gemacht für das Fahrrad ist: Cervia, Cesenatico, Rimini und Riccione gleiten wie eine einzige lange Strandpromenade vorbei — im Sommer lebhaft, außerhalb der Saison friedlich.
Via del Conero: Höhenpanoramen und Marche-Dörfer
Bei Cattolica überschreitet man die Schwelle zu den Marche (CA 40 - Via del Conero). Die Straße steigt zum Parco Naturale del Monte San Bartolo hinauf, wo die Adria von oben erscheint — blau und dunkel — und der Wind Ginsterduft trägt. Pesaro, die Stadt des Fahrrads, öffnet die Tür zu einem sanften Küstenabschnitt voller kostbarer Ausblicke: Fano, Senigallia, Ancona. Weiter südlich bewahrt der Conero Sirolo und Numana, weiße Perlen mit Blick auf ein intensives Meer. Wir empfehlen, ins Landesinnere abzubiegen, um Ancona auf ruhigen Straßen zu erreichen; danach führt die Route wieder die Küste entlang bis nach Grottammare und San Benedetto del Tronto, wo die neue Brücke über den Tronto — geplant für Sommer 2026 — die Marche und die Abruzzen in einer einzigen Linie aus Rädern und Wind verbinden wird.
Via dei Trabocchi: die Poesie der Via Verde
In den Abruzzen (CA 50 - Via dei Trabocchi) wird die Radroute zu einer sanften Umarmung zwischen Meer und Pinienwäldern. Alba Adriatica, Giulianova, Roseto degli Abruzzi durchquert man wie einen einzigen langen Spaziergang. Dann kommt sie: die Via Verde della Costa dei Trabocchi, vierzig Kilometer schwebend zwischen dem blauen Meer und den alten Pfahlbauten der Fischer. Eine der beliebtesten Strecken Italiens. Beim Eintritt in Molise entfernt sich der Weg kurz von der Küste, um die Hauptstraße zu umgehen, kehrt aber bald zurück: Termoli, mit seinem befestigten Dorf am Meer, ist ein überraschendes Juwel zwischen Geschichte und Meeresluft.
Via del Tavoliere und des Gargano: die Weggabelung bei Lesina und die Schätze des Gargano
Von Chieuti aus betreten wir Apulien; die Route führt nach Lesina, wo sich die Reise in zwei mögliche Ziele aufteilt: den Gargano, mit seinen Anstiegen und seiner wilden Schönheit (CA 61 - Via del Gargano), oder die offizielle Strecke, die direkt nach Margherita di Savoia hinunterführt (CA 60 - Via del Tavoliere). Die Gargano-Variante bietet einige der eindrucksvollsten Abschnitte der gesamten Route: den Lago di Lesina und den Lago di Varano, Rodi Garganico, Peschici, Vieste. Duft von Macchia und Straßen, die sich zwischen Blau und Weiß emporschlängeln.
Via delle Saline: Kathedralen am Meer und helle Steindörfer
Der zweite Teil Apuliens (CA 70 - Via delle Saline) ist eine Reise durch Städte aus weißem Stein und kristallklares Wasser. Barletta, Trani, Bisceglie, Molfetta, Giovinazzo: Jede hat einen Hafen, eine Altstadt, eine Geschichte zu erzählen. In Bari anzukommen bedeutet, in ein Geflecht aus Gassen, Düften und Gelächter einzutauchen. Dann bricht man erneut auf, in Richtung zweier absoluter Ikonen: Polignano a Mare, mit seinen senkrechten Klippen, und Monopoli, geprägt von kleinen Häfen und Mauern am Meer.
Via del Salento: wo die Adria auf das Ionische Meer trifft
Das letzte Stück (CA 80 - Via del Salento) ist ein Crescendo der Schönheit. Die Parallelstraßen neben der SS16 ermöglichen ruhiges Radfahren, während die Landschaft immer mediterraner wird: Olivenbäume, Trockenmauern, weiße Häuser. Ein Abstecher nach Ostuni, der "weißen Stadt", ist fast obligatorisch. Dann geht es hinunter nach Brindisi, in den Salento hinein, und erneut in einem Bogen zu Lecce, der Barockhauptstadt. Wenn man schließlich in Santa Maria di Leuca ankommt, wo die Adria auf das Ionische Meer trifft, fühlt man sich wie am Ende eines langen Romans — einer, den man nie mehr vergisst.